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Beansprucht und mißbraucht

Frundsberg hatte einmal in den Venezianer Kriegen den Wahlspruch „Viel Feind, viel Ehr“ auf den Lippen geführt. Je länger er ins Feld zog desto weiter entferte er sich von der Verherrlichung von Waffen und Gewalt. Die Bedrückung der Menschen durch den Krieg und den Undank der Kriegsherren nach dem Krieg erkannte er als die schlimmsten Übel. „Man schätzt mich gering ein“ heißt es in dem Lied, das er selbst gedichtet haben soll, das abe eher die Handschrift seines Feldschreibers Reißner trägt. Der Kaiser ist damit gemeint und das Haus Habsburg.

Schon bald nach seinem Tod wurde der damals in ganz Europa bekannte Sieger von Pavia für politisch-religiöse Zwecke beansprucht. Die Protestanten im Reich reklamierten ihn als einen der ihren, die Katholiken behaupteten das Gegenteil. Katholische und evangelische Reformations-Historiker in den Jahrhunderten danach verfuhren ebenso. Der deutsche Liberalismus sah in ihm ein nationales Vorbild und die bündische Jugendbewegung der Neu-Romantik besang in ihm den mittelalterlichen ritterlich-edlen Anführer: „Jörg von Frundsberg führt uns an, der die Schlacht gewann, Lerman vor Pavia“.

Für die Sozial- und die Gesellschaftsgeschichte der Gegenwart ist Frundsberg ein höchst interessantes Forschungsobjekt. Als der für seine Zeit moderne Typ des Söldnerunternehmers und als Fallstudie in einer Zeit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen. religiösen und militärischen Wandels.