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Söldnertum als Massenerscheinung

In der Realität wurde diese gottgewollte Ständeordnung mit dem Führungsanspruch des Adels zunehmend in Frage gestellt. Gesellschaftlich-wirtschaftliche Umwälzungen seit dem Hochmittelalter hatten das Bürgertum zu einer politischen Kraft gemacht. Sein Geld bestimmte auch immer mehr die Innen- und Außenpolitik. Das Waffenmonopol des Adels gehörte längst der Vergangenheit an. Nicht mehr der adelige gepanzerte Einzelkämpfer zu Pferd entschied die Schlacht, sondern das mit Spieß, Bogen, Armbrüsten und Feuerwaffen ausgerüstete Fußvolk. Die Fußknechte aus bäuerlichem und bürgerlichem Stand wurden nach Bedarf angeworben und entlassen und nach Qualität bezahlt - sie waren Söldner! Als Söldner muß man aber auch die adeligen Kriegsleute des 16. Jahrhunderts bezeichnen, obwohl ihr Soldatendienst zumeist noch in den Formen von Lehenspflicht und Vasallentreue ablief.

Der Begriff Söldnertum erfuhr im 16. Jahrhundert keineswegs die gesellschaftliche Ächtung wie in unserer Zeit. Söldnerischer Kriegsdienst war der Regelfall damals, eine Massenerscheinung in einer Zeit, die weder stehende Heere wie im Barock noch eine allgemeine Wehrpflicht wie in den Staatssystemen des 19. und 20. Jahrhunderts kannte.